offener Brief an die Luftsportjugend in Laucha

Liebe Luftsportjugend,
Liebe Medien

wir vom Bündnis gegen Rechts Weißenfels mussten mit bedauern feststellen, dass ihr Ortsverein in Laucha einen offenen Brief geschrieben hat, der uns als Demokraten mehr als irritieren muss. Wir dokumentieren den Brief des Hauses der Luftsportjugend Laucha und schicken ihnen einen offenen Antwortbrief von uns.
Ausgelegt wurde er vom Haus der Luftsportjugend Laucha e.V. bei der Veranstaltung „Tag der Menschlichkeit“, die sich gegen eine NPD-Kundgebung wendete.
siehe: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1282127978757&calledPageId=987490165154

MfG
Stefan Maßdorf

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Ein offener Brief der Lufsportjugend in Laucha

Sehr geehrte Damen und Herren der NPD,

zu Recht prangern sie den öffentlichen Umgang mit dem Menschen Lutz Battke an. Darunter verstehen wir die hochemotionalen und unkritischen Meinungsäußerungen von Personen, die Medien instrumentalisieren und Medien, die sich instrumentalisieren lassen, weil sie allzu unkritisch mit der eigenen Rolle bezüglich den Grundwerten unserer Gesellschaft umgehen.

Uns Jugendarbeitern und Luftsportlern geht es NICHT um den bislang unbedeutenden Schornsteinfeger und Fußballtrainer Lutz Battke, der dank eines Artikels der ZEIT (und der Reaktion hierauf) zu einem „Vorgang“ auf Bundesebene wurde. (Nur dadurch eroberte er sich in der rechten Szene Kultstatus).
Uns geht es um Kernthesen unserer Demokratie. Die Person Battke und die durch ihn vertretene NPD hätten ohne die Sensationsgier und Profilierungssucht Einzelner niemals ein solches Forum erhalten. Verantwortlich für den Aufstieg Battkes in den Olymp der medialen Wahrnehmung sind gerade diejenigen die medienwirksam gegen rechtes Gedankengut vorgehen.

Wir gehen einen anderen Weg. Seit über 50 Jahren vermitteln wir als Lufsportjugend in der deutschen Sportjugend die Achtung der Würde JEDES Menschen als Kernaussage unserer Verfassung. Diese Essenz unserer gesellschaftsübergreifenden Ethik findet in unserer Arbeit hier in Sachsen-Anhalt, in Laucha, seit 15 Jahren eine sehr konkrete Umsetzung. Wir fördern bei unseren Jugendlichen kritisches Nachfragen und die Reflexion ihrer Antworten. Wir fördern das vertrauen, sich ein eigenes Urteil bilden zu können und den Mut, dieses differenzierte Urteil auch gegen öffentlichen Druck auszusprechen. Und wir ächten jede Form der Gewalt.
Sie beklagen, dass einem Menschen durch Ausgrenzung Gewalt angetan wurde. Sie haben vollkommen Recht. Ausgrenzung und Gewalt sind Verletzungen unserer Verfassung. Das gilt auch für die Ausgrenzung und Gewalt gegenüber anderen ethnischen Gruppen und Andersdenkenden. Wir hoffen, dass Sie nun verstehen, weshalb der Fall Battke ein exaktes Beispiel dafür ist, warum die politische Grundhaltung der NPD nicht hinnehmbar sein kann.
(Haus der Luftsportjugend e.V. Laucha)
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Sehr geehrte Damen und Herren der Luftsportjugend in Laucha,

als wir vom Bündnis gegen Rechts Weißenfels ihren offenen Brief am 18. August in der Kirche von Laucha fanden, in der zu diesem Zeitpunkt eine Gegenveranstaltung zur NPD-Kundgebung „Unser Trainer heisst Battke“ stattfand, waren wir zutiefst erschüttert über ihre Aussagen in besagtem Brief.
Sie beklagen darin „hochemotionale und unkritische Meinungsäußerungen von Personen, die Medien instrumentalisieren und Medien, die sich instrumentalisieren lassen[…]“ und, dass Lutz Battkes medialer Aufstieg erst durch jene ermöglicht wurde, die „medienwirksam gegen rechtes Gedankengut vorgehen“. Wir wissen nicht, welche Personen genau sie hier an den Pranger stellen, allerdings können wir in der medialen Debatte um Battke weder unkritische Meinungsäußerungen, noch eine Instrumentalisierung von Medien erblicken. Wir heissen es vielmehr gut, dass nach 10 Jahren, die Battke Trainer ist endlich der mediale Blick auf den BSC 99 Laucha gerichtet wurde und die Vereinsleitung so zum Handeln gezwungen war. Die Medien haben hierbei lediglich jene Funktion erfüllt, die ihnen in einer Demokratie zusteht: zu informieren, aufzuklären und den Finger in eine Wunde zu legen, die sich seit 10 Jahren immer mehr entzündet. Der Skandel ist nicht, dass es Menschen gibt die öffentlich machen, dass ein Fußballtrainer, der in der Jugendarbeit tätig ist und damit eine gesellschaftliche Verantwortung trägt, diese missbraucht, sondern dass dieser Trainer seit 10 Jahren ungehindert tätig sein kann. Wir können nicht verstehen, wie sie Menschen die sich darum Sorgen, dass die Demokratie in Laucha in eine Krise gerät, Profilierungssucht unterstellen können.
Gerade Sie, als Luftsportjugend, die selbst in der Jugendarbeit wirken, müssten wissen welche Verantwortung dies mit sich bringt. Gerade Sie, als in Laucha ansässiger Verein, wären in der Pflicht gewesen zu skandalisieren, dass Battke Trainer beim BSC 99 ist. Stattdessen empören sie sich darüber, dass die Medien diese Aufgabe übernommen haben, nachdem die Lauchaer Bürger scheinbar daran gescheitert sind und schreiben einen offenen Brief an die NPD anstatt an den BSC 99. Auch wir hätten uns eine andere Lösung gewünscht. Auch uns wäre es lieber gewesen, wenn ein Boykott des BSC durch verantwortungsvolle Eltern zur Entlassung Battkes geführt
hätte oder ein Protest der örtlichen Bevölkerung.
Doch auch jetzt, wo der öffentliche Druck von außerhalb zu Battkes Entlassung führte, sehen wir keine Parallelen zwischen jener Ausgrenzung, welche die NPD anstrebt und jener die Battke damit angetan wird. Während die Ausgrenzung von rechten Kadern aus Verantwortungspositionen dazu dient weitergehende Diskriminierung und Ausgrenzung zu verhindern, sind die Ziele der NPD ideologischer Natur und dienen nicht einem menschenwürdigen miteinander.
Wir hoffen sie verstehen jetzt, wieso Menschen medienwirksam gegen rechtes Gedankengut vorgehen müssen, wieso Laucha ein Demokratieproblem hat und wieso die Ausgrenzung Battkes aus der Jugendarbeit kein Verfassungsbruch ist.

mit freundlichen Grüßen
Stefan Maßdorf
Pressesprecher
Bündnis gegen Rechts Weißenfels


1 Antwort auf „offener Brief an die Luftsportjugend in Laucha“


  1. 1 Hans 01. März 2011 um 17:39 Uhr

    Fachos gegen Nazis. Ihr seid peinlich!

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